Oskar Panizza "Dämmerungsstücke: Die Menschenfabrik" 1890ce

"Ich eilte, so rasch ich konnte, mir wurde unheimlich; trotz des kalten Morgenwindes fielen die Schweißtropfen wie Perlen von meiner Stirn. Die Sonne mußte schon aufgegangen sein. In der Ferne zeigte sich eine glänzend bestrahlte Burg., und bald, bei einer Wegbiegung, sah ich, lag ein freundliches Städtchen mit Kirchen und Gärten vor mir. Mir war, als kehrte ich von einem grauenhaften Ausflug ins Schattenreich zur Welt zurück, die ich mit all ihrem Jammer vor Entzücken an mein Herz hätte drücken können. Und ich hatte kaum hundert Schritt weiter gemacht, als ich einen fleißigen Landmann, mit dem Rechen auf dem Rücken, mir entgegenkommen sah. Ich sah wohl, das war ein Mensch wie ich auch; durch natürliche Zeugung entstanden; das war keine Kunstrasse; denn er nahm zuweilen die Pfeife aus dem Mund, rückte am Hut, sah in die Luft, schaute nach dem Wind, hatte überhaupt viel natürliche Bewegung. – »Mein lieber Freund,« sagte ich, als wir einander nahe kamen, »können Sie mir nicht sagen, was das da hinten für ein Haus ist, kaum hundert Schritte von der Landstraße?« – »Ei, Herr Jäses,« rief der Mann, in dem ich sogleich einen Vertreter des liebenswürdigsten Volksstammes unter den Deutschen, einen Sachsen, erkannte, »mein kutestes Herrchen, das kann ich Sie wohl sagen – das is Sie die berühmte königlich-sächsische Porzellan-Fabrik von Meißen!"